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Paris/London-Testament
Paris/London-Testament
Quelle: amazon

EAN: 0602527095837
Herausgeber: Ecm Records (Universal)

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Jarrett,Keith - Paris/London-Testament

Kunden Meinungen

Großformatig - Jarrett ist kein Warmduscher sondern Profi!

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

Klavierspielen können viele. Und bei vielen Jazz-Pianisten klingt es richtig gut.

Keith Jarrett geht über diese "gut" in seinem Testament deutlich hinaus.
Hier spielt nicht mal grad einer, der Lust dazu hat. Sondern in jedem Ton steckt ein kleines Geheimnis und eine große Bedeutung.

Jarrett ist hierbei gleichzeitig ein ernsthafter Musiker und doch ein Freigeist.
Ihm geht es darum, großartige Musik zu machen, doch in seinen Solo-Alben weigert er sich, diese fein säuberlich auf Notenpapier festzuhalten und zu arrangieren.

Seine Stücke sind durchweg improvisiert, was nichts anderes bedeutet, dass sich Jarrett zwar mit einem unendlichen Reservoir an musikalischen Wendungen, Melodien und Rhythmen auf die Bühne begibt, aber auch das Risiko in Kauf nimmt, dass seine Stücke zum großen Teil anders ausfallen als wohldurchkomponierte Standards.

Bei Jarrett sind wir sozusagen musikalisch bei der Geburt des Stückes live mit dabei. Hören das Ringen um die musikalische Aussage, das Aufgreifen von Melodiefetzen in nachfolgenden Takten und den gesamten Aufbau.

Oft ringt Jarrett damit, den richtigen Drive mit aufzunehmen und das Feedback der Töne in die für ihn stimmige Ausdrucksweise einzubauen.

Gelegenheitshörer mögen das was von "Wiederholungen" reden, wer genau hinhört, stellt fest, dass Jarrett sich quasi den Anlauf sucht, um dann zum Hochsprung anzusetzen.

So entstehen wirklich große Stücke, die zum Teil von wunderbarer Melodik erfüllt sind, zum Teil aber auch chaotisch klingen, weil Jarrett alle Töne in den Ring wirft um sie dann neu zu sortieren.

Der Titel Testament lässt natürlich alle aufhorchen und an einen Todesfall denken.

Doch Jarretts "Testament" ist eher als "eindeutige Willenserklärung" zu verstehen: Genau SO möchte ich, Keith Jarrett, Klavier spielen, so ernsthaft etwas mit Tönen ausdrücken, was nicht in Worte zu fassen ist.

keith jarretts testament-routine

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 3/5

wären london und paris wirklich sein testamentarischer abgesang gewesen,
dann hätte keith jarrett ein eher dürftiges resume hinterlassen, gemessen an
seinen andren, auch späteren solo-auftritten.
wie alle 'frei' improvisierenden trägt auch k-j-solo seine ton-und soundmuster im kopf,
die immer mehr sein spiel (ohne animierendes welchselspiel mit musikalischen freunden)
eher re-produzierend prägen, tagesform hin oder her.
natürlich gibts immer noch ein paar 'jarrett-momente', leuchtende intonations-blitze,
aber viel meint man doch längst (sehr) ähnlich gehört zu haben.
auch eher für manfred eicher: man muss ja nicht jeden auftritt seines stallrosses als
sogleich für die ewigkeit vermarkten.
das carnegie-hall-konzert wäre schon so ein testament gewesen, aber zeiten wie
von 'personal mountains' oder gar 'belonging' sind längst vorbei.

Noch auf dem Höhepunkt

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

Da ich im November 2008 in der Salle Pleyel in Paris war, freue ich mich besonders über die Veröffentlichung des Pariser Konzert. Auch wenn von Vorrezensenten sinniert wird, dass das Londoner Konzert besser sei, so fällt das Pariser Konzert keineswegs ab. Man muss beide Konzerte als Einheit sehen. Das Pariser Publikum feierte Keith Jarrett jedenfalls nach den obligaten Zugaben mit Standing Ovations. In der Bewertung schwanke ich zwischen 4 und 5 Sternen, aber für eine abschliessende Bewertung muss ich die CDs noch sehr viel mehr hören. Wohltuend ist jedenfalls, dass das Geklatsche wieder auf ein erträgliches Mass (im Gegensatz zum Carnegie Hall-Konzert) reduziert worden ist.
Die CDs bitten grossartige Musik, jedoch können sie das Konzerterlebnis nur sehr unzureichend vermitteln. Keith Jarrett kommt wie eine absolute Diva daher, wie ein Wesen aus einer fremden Welt. Und das Publikum ist andächtig gespannt, dass Keith Jarrett von der Muse geküsst wird und einen magischen Moment abliefert. Das hat etwas Sakrales und ist schliesslich doch ein sehr seltsames Erlebnis. Keith Jarrett summt nicht nur, sondern er erhebt sich immer wieder von seinem Hocker und stampft mit den Füssen auf den Boden. Ich finde, er hat etwas Autistisches. Wenn er spielt, ist er in seine ganz eigene Welt versunken. Seine Mimik hat zeitweise etwas Gequältes. Ich habe noch nie eine Person gesehen, die auf der Bühne so leidet.
Im Oktober 2009 gab Keith Jarrett Konzerte in Berlin und Zürich. Diesmal zickte Keith Jarrett herum und schimpfte, weil er ein rotes Licht einer Kamera gesehen hatte. Das war sehr befremdlich und uncool und so beginnt Keith Jarrett, seinen Ruf selbst zu demontieren. Völlig abgehoben von der Realität. Dabei wäre das Zürcher Konzert so grossartig gewesen, wenn sich Keith Jarrett am Schluss nicht diesen Ausraster geleistet hätte. In Paris war er jedenfalls noch der unbestrittene Meister des Klaviers.

Große Entdeckung des Solo Piano...

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

... denke ich nach mehrmaligem durchhören dieser tollen London Aufnahmen vom
1.Dezember 2008. Keith Jarrett gibt im liebenswerten Booklet Einbilck in sein persönliches Empfinden, der schmerzhaften Trennung. Jeder weiß, dass solche Momente unglaubliche kreative Momente mit sich bringen können. Auf diesen CDs nachzuhören:

Die Musik erlebe ich einzigartig, nicht perfekt, jedoch von einer ganz neuen harmonischen Seite im Bezug auf seine jüngsten Solo Piano Aufnahmen der letzten Jahre.
Jarrett schöpft aus dem großen Bereich des Jazz, Blues oder Gospel und verwandelt diese CDs in ein tolles Erlebnis ... , seiner heutigen Art Jazz zu improvisieren.

Die Paris Aufnahme bewerte ich als Zugabe und erlebe sie als wunderbare Einspielung, welche nicht weniger Qualität mit sich bringt.
Wenn der geneigte Hörer die Wahl zwischen "Radiance", "Carnegie Hall" und "Testament" hat, empfehle ich diese traumhafte Aufnahmen ...

ein weiterer wendepunkt

Datum:01.01.1970 01:00 - Rating: 5/5

vorgeschichte:
mich begleiten die solokonzerte von keith jarrett nunmehr seit 23 jahren und ich habe alle seine konzerte sehr oft gehört. das "köln konzert" wird zwar immer wieder als absolute sternstunde herangezogen, steht allerdings in der riege seiner früheren einspielungen als eines von mehreren konzerten da, die auf eine dem publikum sehr zugewandte art und weise einen eher einfach zu betretenden musikalischen kosmos aufbauten (andere konzerte dieser phase sind bremen, lausanne; bregenz (solo concerts), die phänomenalen sun bear concerts, aber auch noch dark intervals und das paris concert von 1988).
im vienna concert beginnt sich die musik langsam zu wandeln, wird introvertierter und schwerer zugänglich, das setzt sich mit dem konzert in la scala in italien fort und mündet schließlich in "radiance" aus japan und dem gefeierten konzert in der carnegie-hall: sehr komplexe musik, die beim ersten hören nur den wenigsten zuhörern erlaubt, mitzuschwingen. ich habe jarrett live in wien bei einem solchen (nicht veröffentlichten) konzert erlebt, und es war tragisch, wie sehr er auf die geringsten bewegungen und unruhe im publikum reagierte, wie sehr er sich von seinem auditorium abgewandt hatte.

testament:
die musik dieser beiden konzerte in paris und london markiert eine neue facette: die einzelnen nummern sind auf den ersten blick ähnlich wie auf den vergangenen einspielungen, aber die energie und die zuwendung zum publikum ist sehr stark vom ersten track an spürbar. wenngleich auch hier vieles beim ersten anhören noch verschlossene türen hat, öffnen sich andere nummern sofort (z.b. der teil X vom londoner konzert), und andere improvisationen betreten nach vielen jahren wieder räume, in denen jarrett bei früheren konzerten in japan bereits reiche goldernte einfuhr.
der titel des albums spielt wohl auf seinen schweren verlust an, den er im booklet anspricht; aber auch seine grundhaltung, "immer so zu spielen, als ob es das letzte mal ist" spiegelt sich hier wieder.

fazit:
- für jarrett-fans ohnehin ein pflichtkauf.
- für liebhaber anspruchsvoller improvisationsmusik, die zum teil sehr vielschichtige geschichten erzählt und auch nach dem zehnten mal anhören noch neue aspekte offenbaren kann eine kaufempfehlung.
- liebhabern des köln-konzerts aus 1975 ohne lust auf neues von jarrett ist vom kauf von "testament" eher abzuraten.

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